„PFLEGEALARM @ CDU: profit vs. pflegequalität?!“

Pflegequalität ist nicht wie Weihnachten.
– Sie kommt nicht von allein.

Der pflegewecker hat es zur Aufgabe, die Pflege wachzurüddeln, wenn entscheidende Entscheidungen fallen, und die Pflege schweigt. Gesagt, getan. Er ist wieder da. Passend zur Woche der Bundestagsabstimmung über das Pflegeberufereformgesetz (PflBG). Und was eignet sich zum Wachrüddeln besser als… …- Richtig: Ein „Herr Rüddel“?!

Herr Rüddel. Seines Zeichens nicht nur ehemaliger Vorsitzender und Präsident diverser Karnevalsverbände, sondern auch Mitglied des Bundestags (MdB) und pflegepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion (vgl. Lebenslauf Erwin Rüddel, MdB (CDU-Website)), gewinnt kurz vor Weihnachten einen pflegewecker-Beitrag. Herzlichen Glückwunsch! Denn: Er schafft es, dass sogar die tagesschau zwischen den Zeilen vermittelt, dass hier etwas im Argen liegt, was die aktuelle Pflegepolitik von CDU/CSU hausintern betrifft. Herr Seisselberg, als NDR-Korrespondent aus dem ARD-Hauptstadtstudio textend, verdient hierfür einen großen virtuellen Blumenstrauß.

Es geht um den tagesschau-Beitrag vom 30.11.2016 „Union bremst Pflegeberufereform“ (hier als PDF).

Es geht um „Die Generalistik“.

Herr Rüddel ignoriert 39 Jahre Vorarbeit und Expertengutachten

Das Pflegeberufegesetz (PflBG) steht zur Abstimmung im Bundestag bereit. Es hat in vielen Elementen eine lange Geschichte. – Eigentlich geht es um Entwicklungen der letzten 39 Jahre, die drohen sich zu Verwicklungen zu wickeln, da Herr Rüddel nun daran rüddeln zu müssen meint. – Entgegen zahlreicher wissenschaftlicher Begründungen und einer gesellschaftlichen Handlungsnot.

Herr Rüddel (CDU) agiert illoyal gegenüber den Gesundheitsexperten der CDU

Kurz gesagt: Gesundheitsminister Gröhe (CDU) und Pflegebeauftragter der Bundesregierung Laumann (CDU) plädieren seit langem für eine Umsetzung des Pflegeberufegesetzes (PflBG) und somit FÜR die Generalistik. Meinungsfreiheit hin oder her: Eine Partei bekleckert sich nicht mit Ruhm, wenn nachträglich lange gereifte interne Expertenmeinungen durch Nicht-Expertenmeinungen negiert werden. Gegenüber den eigenen „Chefs“ ist das höchst illoyal. Nach außen höchst unattraktiv.

Herr Rüddel könnte einen Interessenkonflikt haben

Herr Rüddel scheint dies nicht zu interessieren und stimmt in die bei detaillierter Betrachtung haltlosen (!) Argumente von Arbeitgeberbündnissen insbesondere der Altenpflege und des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) mit ein. – Ist es die Angst, dass Altenpflege teurer werden würde?! – Denn das würde sie. Das macht die tagesschau in oben zitiertem Artikel auch klar.
Interessant ist: Von 1993 bis 2009 arbeitete Rüddel als „Geschäftsführer und war Mitgesellschafter einer gemeinnützigen Senioreneinrichtung mit Wohn- und Pflegeangebot“ (Lebenslauf Erwin Rüddel, MdB (CDU-Website)) – ob da noch alte Freundschaften und Wurzeln bestehen? Die CDU wird Gegenteiliges wohl kaum beweisen können. – Umso gefährlicher für die CDU/CSU sich auf Herrn Rüddels „Kurs“ einzulassen.

Die Gefahr: Scheitert DIESE Reform, kommt so schnell keine neue! Keine Reform = keine Veränderungen!

Kein Politiker möchte als Scheiterer durchgehen. Ein soeben gescheitertes Gesetz wieder aufzuwärmen, dürfte somit die nächsten Jahre unattraktiv sein, da das Scheitern gesellschaftlich und medial verankert wird. Die Argumente werden auch nicht besser werden, evtl. diskutieren wieder die gleichen Köpfe… – Es wird somit EINIGE (!) Jahre dauern, bis sich wieder jemand an eine grundlegende Reform der Pflegeausbildung wagt. Und bis dahin dreht sich diese in einer Abwärtsspirale – insbesondere in der Altenpflege – noch ein paar Meter weiter gen Boden der Rahmenbedingungen. Fakt ist: Keine Reform = keine Veränderungen!

Nächstes Jahr ist Bundestagswahl! – Da wählt man Parteien, die (gute) Ergebnisse / Veränderungen schaffen

Eine große Gefahr jeglicher weiteren Verzögerung ist, dass alles so bleibt, wie es ist. Und das über mehrere Jahre. Wenn nicht alles so wäre, wie es ist, dann hätten wir vermutlich gerade nicht die Missstände in der Pflege, die wir ohne Frage haben. NICHTS tun ist somit GAR KEINE Chance auf Verbesserung. Kompromisse wurden 39 Jahre lang diskutiert, ein Herr Rüddel wird trotz exotischer Karnevalserfahrung nichts Neues aufs Parkett bringen können: Selbst Klinikclowns gibt es schon. Somit: CDU/CSU -> beim Fahrplan bleiben und nun endlich abstimmen pro Pflegeberufegesetz (PflBG).

Nächstes Jahr ist Bundestagswahl: In der Pflege ist die CDU/CSU mit Laumann und Gröhe gut aufgestellt. Pflege braucht Veränderung. In Niedersachsen hat die CDU am 12.12.2016 ohne Erfolg versucht, einer Pflegekammergründung Steine in den Weg zu werfen. – Verhinderer und Scheiterer zu werden, das wäre traurig: Das Pflegeberufegesetz bietet der CDU/CSU die Chance auf ein gegenteiliges Bild in der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens. – Die Chance auf einen wahren Erfolg. Das PflBG ist das erste (!) „Pflegegesetz“ der auslaufenden Legislaturperiode, das den Fokus auf Pflegenden und nicht den GEpflegten hat. – Somit ziemlich sinnvoll, wenn man „Pflege stärken“ möchte.

Der CDU/CSU und vor allem Herrn Rüddel und seinen Mitläufern muss klar sein: Sie müssen die Folgen des Nichtstuns tragen! Es steht Schwarz auf Weiß, dass SIE es sind, die die CDU/CSU und dieses Gesetz aufhalten. – Scheinbar rein des Aufhaltens wegen. Können Sie das moralisch verantworten?! – Das Stagnieren im Status Quo ist INAKZEPTABEL für die pflegerische Versorgungsqualität!

Fazit:

Wenn die CDU/CSU stark ist, dann rauft sie sich jetzt mal schleunigst zusammen und zieht das PflBG durch.

 


P.S.: Das Pflegeberufegesetz (PflBG) ist nicht perfekt, aber es kann vieles

Hier ein kleiner Auszug:

Argumente des Deutschen Pflegerates (DPR)

20 Gründe für die generalistische Pflegeausbildung (Diakonie, 20.06.2016)

Ausbildungsreform Pflege – jetzt! (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), 2016)

Widerlegung einiger Argumente der Generalistik-Gegner (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), 2016)

Generalistische Ausbildung in der Pflege (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), 2014)

Und auch die Zielgruppe selbst WILL die generalistische Ausbildung, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Junge Pflege in ihrem Positionspapier beweist. –

Die Kernpunkte der Reform sind:
1) Die „Generalistik“:

[s. auch Video: Die Generalistische Pflegeausbildung – Eine Reform für die Pflege (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), 16.08.2016)]

Zusammenlegung der Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege zu EINEM Pflegeberuf. Studien wie ‚Pflegeausbildung in Bewegung‘ (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBF), 2008) belegen: Die drei Ausbildungen haben extrem hohe Überschneidungen (70-80%). Zudem weichen die in der Berufsbezeichnung verankerten „Sektorengrenzen“ immer weiter auf: Demente Patienten sind in Krankenhäusern mittlerweile Standard, in Pflegeheimen trifft das Personal auf zunehmend komplexe chronische Erkrankungen und Therapieformen.

Die Zusammenlegung zu EINEM Pflegeberuf bietet insbesondere für die Altenpflege Vorteile, da die zu bedienende Berufeanerkennungsrichtlinie 2013/55/EG auf EU-Ebene an sich schon zum 01.01.2016 die Benennung EINES Pflegeberufes fordert und die Altenpflege dann mit an Bord wäre. – Deutschland hat als einziges Land der EU momentan drei (!) Pflegeberufe. Die Altenpflege würde bei Nicht-Zusammenlegung der drei Berufe in der EU schlicht nicht mehr als Pflegeberuf anerkannt werden und könnte ihre Zulassung als Heilberuf verlieren. Dies bedeutet, dass Altenpfleger in Deutschland in Zukunft eine Ausbildung erlernten, die international eventuell NICHTS mehr Wert wäre. Eine nationale Abwertung wäre die zu erwartende Folge. Gegenteiliges bei der Generalistik-Einführung, da Altenpflege momentan in puncto Ausbildungsvergütung und Verdienst deutlich schlechter gestellt ist als Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege. Geht die Altenpflege als Pflegeberuf verloren, dann verlieren auch die Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege. – Denn ihre potenzielle Lobbygröße schrumpft beachtlich: Sowohl quantitativ als auch qualitativ, was die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Langzeitpflege betrifft. Sektorenübergreifende / Integrierte Versorgung / adäquates Entlassmanagement, … – wieder einige Meter weiter weg.

…weitere Reformpunkte des PflBG sind:
2) Verankerung von Anforderungen an qualifizierte Praxisanleitung und Lehrpersonal
3) Die Definition exklusiver („vorbehaltener“) Tätigkeiten der Profession Pflege
4) Die Entwicklung der hochschulischen Pflegeausbildung

Es geht um sehr viel mehr als „nur“ eine Generalistik. Es geht um die Professionalisierung, Attraktivität und Nachwuchssicherung der Pflegeberufe. Und somit um das hochwertige Pflegeangebot in Gänze.

Wachgerüddelt?! – Was nun?
1. Informieren Sie sich zur Generalistik und dem PflBG. – Studien zeigen: Wer besser informiert ist, stimmt hier eher PRO. Aber natürlich darf jeder seine eigene Meinung haben. Hauptsache man bildet (!) sie sich durch eine Recherche und Diskussionen.
2. GANZ GANZ WICHTIG: Sind Sie PRO, dann gehen Sie auf SUCHEN SIE DIE ABGEORDNETEN AUS CDU/CSU und schreiben Sie ihnen eine Mail, dass Sie die Generalistik wollen. Das ist das beste und einzige, was Sie tun können! Aber: Es ist genau DAS, was Sie tun können und niemand anders! – Die Masse macht’s.
3. Sind Sie MdB, dann stimmen Sie PRO Generalistik.

Advertisements

DEINE ideen?! - was geht DIR auf den zeiger?:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s