METAL-MUSIK ALS WECKER IM PFLEGENOTSTAND? – eine song-interpretation

*** Nicht umschalten: HIER folgt: Der inspirierende Blick über den Tellerrand! Pflegerische Berufspolitik oder Berufspolitischer Unterricht sind langweilig?! Hiermit nicht. – Sondern mal kreativ. Mal wach! Mach dich bereit für einfach mal etwas „anderes“. Lies selbst. ***

„WAKE UP!“

… das sind die ersten beiden Worte des im Libanon geborenen Sängers und Familienvaters Serj Tankian in dem YouTube-Video der Metal-Band „System of a Down“. Allein das Musikvideo ihres Songs „Chop Suey!“ wurde über 300 Millionen mal geklickt und trotzdem kennen ihn vermutlich nicht alle 80 Millionen Einwohner Deutschlands. Wenn ich mich irre: Umso besser! Augen auf für eine Interpretation, die den Song, neben vielen weicheren Versuchen, als Hymne der Pflegeberufe im Pflegenotstand prädestiniert. Eine vielleicht ungewohnte Sprache mit „harten“ Tönen, die der Pflege jedoch evtl. authentischer aus dem Herzen spricht als Helene Fischer es je tun könnte! – Eine Emotionsbombe im Kampf um Menschenwürde.

Das Genre Alternative Metal oder Nu Metal mag normalerweise nicht aus jedermanns Boxen poltern, bei mir auch eher selten, doch die Lyrics des Songs „Chop Suey!“ formulieren einen Weckruf, der uns hier mal einen spannenden und vielleicht inspirierenden Exkurs erlaubt. Vielleicht ist er nur ein Ventil für den Hörer. Vielleicht liefert er aber auch eine Anregung wie sich berufspolitischer Unterricht interessanter gestalten ließe. Mit der Interpretation oder Schaffung starker Texte, Musik oder Kunst im Allgemeinen lässt sich Vieles machen…

Gucken wir uns erstmal nur den Text an: Meine Interpretation des Songs „Chop Suey!“:*

System of a Down – Chop Suey! _ Interpretiert für „Pflege“.

Intro
Vers:

Wake up (wake up) _ Kollegen, Politik, Patienten, Angehörige, Bürger: Es ist Zeit aufzuwachen im Pflegenotstand.
Grab a brush and put a little makeup _ Es wird kompensiert und Unmögliches ermöglicht um zu verschleiern.
Hide the scars to fade away the shake up _ Die Überlastungen werden versteckt um eine Grundsatzdiskussion zu vermeiden.
(Hide the scars to fade away the shake )
Why’d you leave the keys up on the table? _ Viele Pflegende suchen nach Auswegen aus den Pflegeberufen.
Here you go create another fable _ Heldengefühl und Unmögliches zu leisten: Ein selbstkreiertes Märchen, das einem suggeriert man sei unverzichtbar.

Vers – modfiziert wiederholt:
(You wanted to) _ Du wolltest, doch irgendwann geht es nicht mehr.
Grab a brush and put on a little makeup _ Das Kompensieren und Verstecken ist nicht mehr möglich.
(You wanted to)
Hide the scars to fade away the shake up _ Notstände werden in aller Hässlichkeit sichtbar.
(You wanted to)
Why’d you leave the keys up on the table? _ Die geplante Kündigung wird zu einer inneren Kündigung.
(You wanted to) _ Das hast Du so alles gar nicht gewollt.

Bridge:
I don’t think you trust, in, my, _ Die Pflegeberufe fühlen sich politisch nicht gehört. Nicht ernstgenommen.
Self-righteous suicide, _ Ihre selbst gewählte Aufopferung führt nicht dazu gehört zu werden; zu verbessern.
I, cry, when angels deserve to die _ Sich aufopfernde Pflegende weinen, wenn sie an ihrem Beruf scheinbar zerbrechen müssen.

Vers: (Wiederholung)
Wake up (wake up)
Grab a brush and put a little makeup
Hide the scars to fade away the shake up
Why’d you leave the keys up on the table?
Here you go create another fable

Vers – modifiziert: (Wiederholung)
(You wanted to)
Grab a brush and put on a little makeup
(You wanted to)
Hide the scars to fade away the shake up
(You wanted to)
Why’d you leave the keys up on the table?
(You wanted to)

Bridge: (Wiederholung)
I don’t think you trust in my
Self-righteous suicide,
I cry, when angels deserve to die
In my self-righteous suicide,
I cry, when angels deserve to die

Interlude:
Father (brother) _ Pflegende fragen sich „Vater Staat: Was passiert hier?!“
Father (mother) _ Pflegende fragen sich „Mutter (christlicher) Grundwerte: Was passiert hier?!“
Father (fucker) _ Pflegende beschuldigen „Die da oben“ und sind innerlich wütend.
Father (aaah!) _ Pflegende resignieren und fühlen sich hilflos und alleingelassen.

Interlude 2:
Father into your hands, I commend my spirit _ Pflegende vertrau(t)en auf Hilfe „von oben“, Hilfe der Politik.
Father into your hands, why have you forsaken me? _ Pflegende fühlen sich politisch im Stich gelassen.
In your eyes, forsaken me _ Politik sieht die Missstände, die Pflegende belasten, nicht.
In your thoughts, forsaken me _ Politik bedenkt die Autonomie der Pflege als Profession nicht.
In your heart, forsaken me _ Politik zeigt keine Menschlichkeit, kein Herz, gegenüber Pflegenden, die primär nicht für mehr Geld, sondern für mehr Personal streiken um eine menschenwürdige Pflege leisten zu können.

Bridge/ Outro:
Oh, trust in my, self-righteous suicide
I cry when angels deserve to die
In my self-righteous suicide
I cry when angels deserve to die

(Quelle der Lyrics, Deutsche Übersetzung)

Passt?! Dann zum zweiten Schritt: Rein musikalisch wird der Text von einer solchen Energie begleitet, dass einem der Lautsprecher die Gesichtszüge strafft. [ Ihr dürft JETZT „Play“ drücken, die Lyrics starten erst nach einem 44 Sekunden-Intro. ] – Guckt ruhig tief in die Boxen: Besser als Q10 oder Gurkenmaske! Lasst die musikalisch mächtige Umsetzung auf euch wirken, nicht vom „Äußeren“ oder „Lärm“ erschrecken lassen, hochscrollen und in ca. 34 Sekunden Lyrics mitlesen. Damit es wirkt: Bis zum Schluss.

_

Bei vielen Pflegenden ist Metal-Musik sehr beliebt: Sie klingt laut und sieht teilweise „angsteinflößend“ aus, aber die Inhalte sind, wie gesehen, scheinbar sehr tiefgehend, sehr emotional und sehr interpretierbar. – Prädikat: „Sehr pflegekompatibel.“

In meinen Augen: Musik, die „Kunst“ ist. Und noch dazu in einer Lautstärke, die im Pflegenotstand nötig ist um aufzuwecken. In eigener Sache: Bevor nun jemand den pflegewecker in eine Schublade mit langhaarigen Trockenshampoo-Fans, die ihren Sommerurlaub in einem kleinen Dorf namens Wacken verbringen, steckt… Passt leider nicht, dies war nur ein „Exkurs“. Aber ich mag Musik nur, wenn sie gut ist! Im #Pflegestreik brauchen wir (auch) Alternative Metal! Ich sage: „Wake up!“.

„WAKE UP!“ – ist wie meine anderen Beiträge ein Appell an Politik, Kollegen, Medien und ganz bescheiden: Alle 80 Millionen Menschen in Deutschland. Jeder möge sich ein Mikro und einen Verstärker schnappen und es hinausrufen. – Oder seinen Drucker anwerfen: Hierfür.

Kritische Diskussionen und Gesuche zum Formen einer Metal-Band gerne in den Kommentaren!

Drööng.

*“Chop Suey!“ ist übrigens ein vermeintlich in den USA erfundenes „chinesisches“ Gericht – quasi „der chinesische Döner“. Ich nutze die Lyrics des gleichnamigen Songs in einer Übertragung auf die professionelle Organisation der Pflegeberufe in Deutschland. Aber: Interpretationen sind frei. Es gibt kein „richtig“ und „falsch“ in der Interpretation von Kunst. Wen es interessiert wie manche Drogenabhängigkeit, die religiöse Unterdrückung von Frauen oder christliche Bibel-Parallelen in dem Song sehen – einfach mal googlen (z.B. Hintergründe und Interpretationen hier, hier oder hier).

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2 Kommentare

  1. Johannes Appel · September 4, 2015

    Wunderbare Interpretation, das ruft förmlich nach einer Pflegecoverversion… würde ich gern hören! =)

    • pflegewecker · September 4, 2015

      In meinem Wunschtraum spielen System of A Down es in weißen Kasacks vor dem Bundestag auf der Wiese. – Natürlich mit der fettesten Soundanlage Berlins. Das dürfte gerade laut genug sein. …

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